Längizyti in Sottopassaggio
Es sei ja klar, dass Heidi Klum ihren Ehemann Seal habe fallen lassen und nicht umgekehrt, kommentierte die Nachrichtenchefin des «Blicks». Schliesslich sei die Klum Unternehmerin! «Wer zwischen dem Topmodel/der Geschäftsfrau und dem Sänger/Hausmann das Sagen hatte, ist keine Frage», ferndiagnostizierte die Journalistin. Ich las und wurde bleich und bleicher. «Heidi Klum hatte einen Popstar geheiratet, dann hatte sie plötzlich ein Hausmütterchen im Bett.» Himmel, Frau Nachrichtenchefin! Was Sie schrieben, ist in so mancher Hinsicht Unfug, dass ich es kurz korrigieren muss. Erstens und nur ganz nebenbei: Seal war nicht wirklich Hausmann; dafür, was Hausmänner und -frauen gewöhnlich tun, haben die Klum-Seals Angestellte, nehm ich an. Immerhin juriert er die Castingshow «The Voice» in Australien. Nicht grad um die Ecke von ihrem Daheim in Los Angeles.

Zweitens aber und gravierender: Sie kommen Ihrer Leserschaft mit der doofen Gleichung Hausmann = langweilig, unattraktiv, unsexy. Nicht, dass ich das persönlich nähme. Aber ich wähnte das Uraltklischee überholt, wonach Hausmänner Latzhosen tragende, unerotische Softies seien. Es nun von einer Frau zu lesen, ist umso ärgerlicher. Zumal Sie, drittens, mit der Bemerkung, Frau Klum hätte «ein Hausmütterchen im Bett» gehabt, eine Million Schweizer Hausfrauen beleidigen. Als ob, wer sich um Ufzgi, Wäsche und Nachtessen kümmert, nicht zugleich sexy sein könnte! Übrigens las ich Ihren Kommentar auf dem Hometrainer. Und gab aus Verstimmung darüber derart Gas, dass ich so viele Kalorien abgestrampelt habe wie schon lange nicht mehr; es wird meinem Sexappeal dienen. Danke schön!
Aber man kann ja mal Mist behaupten. Als Bub meinte ich auch immer, wir gingen nach Sottopassaggio in die Ferien. Das heisse Monterosso, berichtigte meine Mutter. «Nei Mueti, verzell ke Seich!» Da war ich mir ganz sicher: Sottopassaggio. So stand es geschrieben auf dem Perron, wo wir jeweils aus dem Zug stiegen. Heute ist es unser Hans, der alles weiss. Stets stellt er eine Frage, gibt die Antwort selbst und lässt sich davon nicht abbringen. «Woher kommen die Austern? Gäu, aus Australien!» Ein wunderbares Alter, in dem er sich befindet! Gewiss, auch ich krieche wildfremden Menschen fast in ihre Kinderwagen mit jenem unsäglich gönnerhaften «Jöö!»-Blick, der mich früher so nervte: «Was für ein herziges Bébélein!» Doch dann sag ich mir sogleich: Babys sind süss, aber sie rauben einem Schlaf und Freiraum, und sie stinken. Gott sei Dank, hab ich das hinter mir! Schon freue ich mich wieder, dass unsere Kinder so gross sind. Fragt Anna Luna doch jüngst: «Wer war eigentlich James Dean?» Flugs im DVD-Verleih «Jenseits von Eden» besorgt und den Jahrhundertfilm en famille angeschaut. Diskutiert. Und gestaunt, welch unvergleichlicher Kerl dieser Dean war!
Gleich in vier befreundeten Familien weilt das älteste Kind derzeit im Auslandjahr, von Iowa bis Ekaterinburg, Russland. Ich leide mit den Eltern und sage: «Ich würde durchdrehen vor Längizyti.» Was heisst «würde»? Ich werde durchdrehen. Bereits liebäugelt Anna Luna nämlich mit einem Schuljahr in den USA. Ich, ohnehin krankhafter Amerikafan: «Ich komme dann mit!» Sie, leicht mitleidig: «Weisst, Vati, das ist, glaub ich, nicht die Idee eines Austauschjahres.»
Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)
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Bänz Friedli lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.
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9 Kommentare
Susanne Spycher [Gast]
Geschrieben am
3. Februar 2012
Lieber Bänz Friedli, warum fachsimpeln Sie eigentlich nie darüber, wie sich die ganze Murmel-, Domino-, Nano- und Animanca-Sammelmanie mit dem ach so gepriesenem Umweltschutzgedanke der Migros verträgt? Tun Sie natürlich nicht, ist ja Ihr Arbeitgeber. Ich bin aber ziemlich sicher, dass Sie den Plastikplunder auch nicht gutheissen und dem Hype widerstehen, so wie ich, und das trotz dem Geschrei meiner beiden Mädchen, dass sie nun in der Schule nicht mehr täuscheln könnten...
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Verena Meier [Gast]
Geschrieben am
3. Februar 2012
Als die ersten "bhaltis" kamen, war mein kleiner noch begeiswtert. Vor allem die Münzen hatten's ihm angetan, damit hätte er die Murmeln auslösen können, aber die wollte er gar nicht. Er sammelte Münzen und fühlte sich reich damit. Dann machten wir eine 2wöchige Deutschlandreise. Ich weigerte mich wie immer, Münzen für Fernrohre zu spendieren. Da holte er aus seinem Sack so eine Migros-Münze und steckte sie in den Schlitz. "Das funktioniert ja!" Ich glaubte es nicht, aber es stimmte! Auch bei der Münzpresse, wo man sich Andenkenmünzen rauslassen kann, für 20 cents oder so, funktionierte es! Der Kleine war glücklich, und ich liess ihn machen. Diese Münzen waren super, und ich glaube, er hat noch einen kleinen Vorrat für London parat! All die nachfolgenden Extras intressierten ihn dann nicht mehr. Ich sag jetzt an der Kasse einfach "nein" und fertig! Die Kinder machen nur ein Geschrei, solange sie's nicht kriegen, was dahinter steckt intressiert sie nicht. Lass sie doch, kostet ja nix und der Migros ist's eh egal, ob Deine Girls schreien oder nicht! Was solls!
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Der Hausmann [Gast]
Geschrieben am
5. Februar 2012
Liebe Susanne, Sie täuschen sich, ich habe schon mehrmals eher Migros-kritisch geschrieben, und es wurde stets abgedruckt. In dieser Zeitung herrscht nicht das Gebot zum Konzernjournalismus wie etwa in … lassen wir das. Ich habe gegenüber diesen Aktionen auch meine Vorbehalte, würde aber erst darüber schreiben, wenn unser Alltag es mir diktierte. Und gerade an der neusten Animanca-Sache haben meine Kinder recht Freude. Und das Spiel, das man damit spielen kann, ist super. Mit Hans hab ich letzte Woche Nanos gespielt … Auch hier also find ich: Es hält sich mit dem Müll in Grenzen. Und wie gesagt: Wäre es anders, ich würde und dürfte es schreiben. Liebe Grüsse! bf
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Tante Grazie [Gast]
Geschrieben am
30. Januar 2012
¦Mangels Italienischkenntnissen musste ich "Sottopassagio" googlen und freue mich nun über ein sehr hilfreiches Wort mehr in meinem (praktisch nicht vorhandenen) Italienischwortschatz. Jetzt traue ich mich dann doch noch nach Italien in die Ferien, da ich ja bereits "Vietato traversare i binari" ohne zu staggeln sagen kann ;-)
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Der Hausmann [Gast]
Geschrieben am
31. Januar 2012
Jetzt kannst du das Nötigste! Schöne Ferien! Und sorry wegen des Nichtübersetzens … Hab noch lange überlegt, ob man das Wort wohl voraussetzen dürfe! Aber für mich war es ja eh ein Ortsname …
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Tante Grazie [Gast]
Geschrieben am
31. Januar 2012
'Wozu gibt's denn Google und Co.? Das Nicht-alles-erklären ist doch ein Grund, sich mit den neuen Medien auseinanderzusetzen und "dranzubleiben". Hätte ich kein Internet würde ich jemanden fragen, der Italienisch kann, was dann sogar noch die zwischenmenschlichen Beziehungen fördern würde. Also: nur nicht alles erklären, das hat viele Vorteile ;-)
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Schnee Fee [Gast]
Geschrieben am
30. Januar 2012
Hallo Herr Friedli,
zum zweiten Teil Ihrer Kolumne. Unser Sohn hat ein wunderbares Jahr in USA verbracht. Natürlich hatten wir auch Bammel und Angst davor, dass wir Heimweh haben würden. Doch die Zeit war so spannend und die Kommunikationsmöglichkeiten so riesig, dass uns das Jahr gar nicht so lange vorkam. Unser Sohn hat so etwas von profitiert und natürlich eine ganz tolle Familie dazugewonnen. Und übrigens, begleiten Sie Ihre Tochter auf keinen Fall! Aber..... vielleicht können Sie sie ja dazu überreden, dass sie die ganze Famile als Abschluss in USA abholt, und evtl. sogar mit einer gemeinsamen Rundreise abschliessen lässt. Wir haben dies so gemacht und können dies absolut empfehlen........
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Der Hausmann [Gast]
Geschrieben am
31. Januar 2012
Das ist ein guter Tipp! Natürlich würde ich sie nicht begleiten, das war nur so meine erste Reaktion. Aber Abholen – super Idee!
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