Ich bin ein Biep!
Hans kam als Erster damit: «Ach, Vati, du bist doch ein Biep!» — «Ein was?» — «Ein Biep! Kennsch nid?» Und ich konnte nicht mal schimpfen. Denn der Ausdruck, den er mir an den Kopf geworfen hatte, war schiere Selbstzensur. Listig! Die Kids halten neuerdings Mass, wenn sie fluchen. «Du bist ein Biep!»
Das kommt vermutlich von den vielen amerikanischen Serien und Rapvideos, die sie sich anschauen: Dort wird gemäss prüder amerikanischer Usanz jedes «fuck», «shit» und «cunt», jedes «tit» und jeder «motherfucker» (und der lieben betagten Leserin Gamber zuliebe, die unflätige Ausdrücke im «Brügglipuur» missbilligt, verzichte ich auf eine Übersetzung) mit einem Piepston übertönt, einem «Beep». So wird das Arschloch zum Biep. Für mich ist der schlaue Platzhalter nach den Schlämperligen, die ich zuletzt mit anhören musste — «Ey, bisch Behindi, Monn!», «Hirnamputiertä!», «Mongo!», «Spassti!» — extrem wohltuend. «Du bist ein Biep» klingt liebevoll, und der es ausspricht, kann sich hinter der alten französischen Losung «Honi soit qui mal y pense» verschanzen: Hört der Angesprochene etwas Unanständiges heraus, entspringt es dessen eigener Fantasie. Ein Beispiel mehr, wie schöpferisch die twitternde, SMS-elnde und facebookende Jugend mit Sprache umgeht, wie gewitzt ihre Ironie ist. Von wegen «Die haben keine Sprache mehr»! Sie haben eine eigene. Dem Spiel sind keine Grenzen gesetzt: «Willst du mich ver-biepen oder was?», «Ver-biep dich doch!». Und: «Diese Geometrieprüfung biept mich so was von an!»
Hans findet die Davoser Schlitten biep.
Die Schule ist manchmal biep, die Ufzgi sind es sowieso. Und der Davoser Schlitten, der sich so schlecht steuern lässt? Ist ein Biep. «Warum baut man die überhaupt noch, wenn man es doch heute besser wüsste und könnte?», fragt Hans. «Unsere Skier sehen ja auch nicht mehr aus wie im letzten Jahrhundert.» Und er hat recht. Wie meist. Biep.

Biep hier, Biep da. Das ist schampar gäbig, denn es eröffnet mir die Möglichkeit, hier endlich mal die — sich oft im Pensionsalter befindlichen — Bieps anzusprechen und deren ver-biepte Angewohnheit, an der offenen Früchte- und Gemüseauslage jede Birne einzeln des Langen und Breiten zu befingern, jede Aprikose zu zerdrücken, sie dann für ungeeignet zu befinden und zu den anderen zurückzulegen, und so weiter. Diese Chaflerei finde ich … biep, biep, biep! Ein Blumenkohl, der vor dem Betatschtwerden keine Dellen hatte, hat sie bestimmt danach. Und ich soll ihn dann kaufen? Biep! Wenn ich grad am Biepen bin … Meine Meinung zum Abgang des Nationalbankpräsidenten lautet kurz und klar: Biep, biep, biiiiep! Ärgerlich, dass sich die Bie-bie-bieper von der Biepspartei nun als Ritter des Guten aufspielen können! Anderseits: Wie bebiept muss einer sein, wenn er es als Notenbankchef geschehen lässt, dass via sein Privatkonto im grossen Stil mit Währungsschwankungen spekuliert wird?
Meine Frau und ich haben übrigens auch ein gemeinsames Konto. Und ja, auch meine Gattin ist eine — wie hat Herr Hildebrand das so nett ausgedrückt? — «starke Persönlichkeit». Nur haben wir momentan grad keine halbe Million flüssig, die wir locker in Dollar anlegen könnten … Biep, noch mal!
Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)
Die Hörkolumnen mit RSS-Client
Bänz Friedli lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich. Bänz Friedli live: 19. 1. 2012 Neuenhof AG, 24. 1. 2012 Hittnau ZH.
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4 Kommentare
Die Nussknackerin [Gast]
Geschrieben am
20. Januar 2012
Heute ist mir in den Sinn gekommen, dass Bänz' Familie krass gefährdet ist, ebenfalls in die Schlagzeilen zu kommen wie die Hildebrands. Die Voraussetzungen sind gegeben:
- gemeinsames Konto
- starke Persönlichkeit der Frau
und das Schlimmste:
Insiderwissen über die kommenden Aktionen in der Migros.......
Liebe Frau Friedli, bitte aufpassen beim Einkaufen, nicht dass unser Hausmann deswegen seinen Rücktritt geben muss ;-)
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Verena Meier [Gast]
Geschrieben am
16. Januar 2012
Letztin hab' ich Mutter und Tochter beobachtet: beide mit einem Wagen ("Wägeli" kann man dem ja nicht mehr sagen). Die Tochter stand vor den Salaten, hob einen auf und fragte: "Willst du den da? (den Nächsten), oder den da?" u.s.w. Dabei blockierten sie das ganze Gestell! Nett, so eine fürsorgliche Tochter zu haben, aber biepig ist das trotzdem!
So richtig Biepmässig fand ich, als ich mal Farmerstängel kaufen wollte, da waren doch tatsächlich die vorderen Packungen offen - ob da welche fehlten, hab' ich nicht nachgezählt, aber ich denke schon. Gekauft hab' ich dann keine. Dann gibt's auch so Biepsis; und zwar nicht nur Junge, die schnappen sich eine Büchse, trinken sie leer und stellen sie irgendwo hin, natürlich ohne zu bezahlen! Und bei solchen Kleinigkeiten sagt doch keiner einen Bieps!
Hey, dieses "biep" ist wirklich biepsig, da kann ich biepen, soviel ich will, das biepst keinen!
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Mom Rock [Gast]
Geschrieben am
16. Januar 2012
Ja, mir gehen diese Früchte- und Gemüsegrabscher auch gewaltig auf den Biep! Und da gibt’s noch jene Kunden, die die Sachen pur auf die Waage legen und erst dann ins federleichte Säckli. Sie meinen wohl, sie können so ein paar Räppli sparen… Oder noch schlimmer: den Sack mit der Ware auf der Waage etwas hochhalten, damit nicht das ganze Gewicht bezahlt werden muss. Einfach nur lächerlich und peinlich…
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Die Nussknackerin [Gast]
Geschrieben am
16. Januar 2012
@ Mom Rock. Ich lege die Früchte manchmal auch "blutt" auf die Waage, aber nur, wenn ich verschiedene Arten ins gleiche Säckchen packe - also nicht aus Kostenspargründen ;-) Was ich aber ziemlich frech finde sind die Leute, die aus abgewogenen Früchteschalen Früchte rausnehmen oder "degustieren". Bei denen "biepts" wohl ;-)
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