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Doktor Made mags einfach

Die Fotzelschnitten der «Saisonküche» sind genau nach seinem Geschmack: einfach, gut und wohlriechend. Nur im Beruf mags Kriminalbiologe Mark Benecke gerne knifflig. Und gegen schlechte Gerüche ist er dann immun.

Köln, Südstadt, Landsbergstrasse 16. «Dr. Mark Benecke Consulting, Kriminalbiologische Forschung und Beratung» ist auf einem Messingschild an der Hausfassade zu ­lesen. Wir treffen uns an Beneckes Arbeitsplatz, einer zum Labor umfunktionierten Drei-Zimmer-Wohnung.

Sie befindet sich in der dritten Etage eines freudlosen Wohnblocks aus der Zeit des Wiederaufbaus der frühen Nachkriegsjahre. Beim Eintreten erfüllt ein dezenter Weihrauchduft aus Mark Beneckes dunkel möbliertem Büro die ganze Wohnung. Was für eine Überraschung für «Saisonküche»-Köchin Janine Neininger. Hatte sie doch vielmehr einen olfaktorischen Keulenschlag befürchtet, einen Geruch nach Verwesung, womit Mark Benecke (41) bei seiner täglichen Arbeit immer wieder konfrontiert ist.

Schmackhafte Doppeldecker: «Saisonküche»-Köchin Janine Neininger und Mark Benecke bestreichen die Toastbrote mit der Mandelmasse. Schleckmaul Benecke hat bereits ein ungebackenes Exemplar vertilgt und für gut befunden.

«Hi! Soll ich Kaffee machen?», begrüsst er uns. Seine kölsche Kumpelhaftigkeit, die schwarzlederne Kluft, die Tattoos und die drei Silberringe passen nicht zum gängigen Klischee eines Naturwissenschafters seines Kalibers. Der vereidigte freiberufliche Sachverständige, der schon beim FBI und in der New Yorker Rechtsmedizin gearbeitet hat, gehört zu den renommiertesten Spurenkundlern und gefragtesten gerichtlichen Insektenforscher der Welt.

Zu seinem Job gehört es, an einem Tatort sämtliche biologischen Spuren zu untersuchen, unter anderem Insekten und Insektenlarven auf und um Tote. Entsprechend publikumswirksam wird er in Talkshows, Radiosendungen und Vortragsreisen, die ihn immer wieder auch in die Schweiz führen, als «Dr. Made» gehandelt. Madenhirte ist ihm aber lieber. «Ich mag wirbellose Tiere. Überall da, wo es andere Leute eklig und gruselig finden, gibt es für mich Neues zu entdecken», erzählt Benecke.

Während Janine Neininger in der Küche die Äpfel für das Kompott rüstet, ist plötzlich ein Zischen zu vernehmen. Beneckes vielfach miteinander verschwägerte Madagaskar-Fauchschaben, die in einer grossen Plastikbox leben, sind am Erwachen. Die nachtaktiven Tierchen haben schon etliche Auftritte im Fernsehen hinter sich.

Doch Mark Beneckes Beruf ist alles andere als spektakulär. Er löst keine Fälle und überführt auch keine Täter wie seine Berufskollegen in der TV-Serie «CSI». «Ich halte mich an die Fakten und vermeide es, die Fakten über das Faktische hinaus zu interpretieren.»

Bei alten Fällen stellt er auf null, zweifelt und denkt quer

Oft beschäftigt er sich mit Fällen, die Jahre zurückliegen und wieder aufgerollt werden. Auftraggeber können ebenso verurteilte «Knackis», Angehörige, Opfer wie auch die Staatsanwaltschaft oder die Polizei sein. Beneckes Methode: alle bisherigen Erkenntnisse zurück auf null stellen, quer denken, zweifeln. Beispielsweise fragt er sich, ob die Insekten, die damals am Tatort eingesammelt und konserviert wurden, tatsächlich in der Gegend vorkommen. Oder ob das Verbrechen an einem anderen Ort geschah.

«Erst wenn alles ausgeschlossen ist, was nicht sein kann, muss das, was übrig bleibt, stimmen. Egal, wie unwahrscheinlich es ist», zitiert er Arthur Conan Doyle, den Schöpfer von Sherlock Holmes. «Ich gehe mit dem Verstand eines Vierjährigen und mit der Verfassung eines dementen Greises an die Fälle heran. Dazwischen gibt es nichts. Mir ist sowieso alles viel zu kompliziert.»

Während er Janine Neininger verrät, dass er es auch beim Essen einfach mag, nehmen die Brote Farbe an. Gerade beim Einfachen zeigt sich die Kunst der professionellen Köchin: Die «Armen Ritter» sind picobello angezogen. Benecke beisst, bevor sie angerichtet sind, schon hingebungsvoll hinein. Nur eines gelingt Janine Neininger an diesem Tag nicht: dem waschechten Kölner beizubringen, dass es Fotzelschnitten und nicht Fötzelschnitten heisst.

www.benecke.com

Für Fotzelschnitten können auch Zopfreste verwendet werden. Sie sind ein klassisches Arme-Leute-Essen. Ohne Zimtzucker keine Fotzelschnitten! Er haftet besonders gut, wenn die Schnitten noch warm sind.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 6
6. Februar 2012

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Aufgetischt

Was haben Sie immer auf Vorrat?

Erbsen, Tomaten und Spinat, Kartoffeln, schwarzen Johannisbeersaft und zehn Sorten Senf.

Wie oft kochen Sie pro Woche?

Ich bin sehr oft unterwegs und im Ausland. Wenn ich zu Hause bin, dann koche ich immer.

Kochen ist für Sie …

… Nahrungszubereitung.

Was würden Sie nie essen?

Fleisch, ich bin Vegetarier.

Mit wem würden Sie gern mal essen gehen?

Ist egal. Ich bin gerne alleine.

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