Gschpüri fürs Gute
Schnee isst er nur im TV-Spot für Schweiz Tourismus, das Wetter im Schnee zu schmecken ist hingegen seine Passion. Und wie das Schlangenbrot der «Saisonküche» beim Winterpicknick wird, dafür hat der Wetterprophet Martin Horat sein Gschpüri: «Chaibe guet wirds.»
Maaaartin, Telefon!» – «Heilige Chaib, dass ist sicher wieder ein Meteorologe, der wissen will, wie sich der Winter im Februar entwickelt. Ich komme», sagt der Wetterprophet Martin Horat (68) zu seiner Frau Ella, während er «Saisonküche»-Köchin Lina Projer vertröstet: «Es geht noch einen Moment», sagts und verschwindet ins Haus. Der eine Moment ist bereits der dritte. Und dies bei minus zehn Grad. «Verreckte Chaib», hört man die «Saisonküche»-Köchin murmeln.

Na ja, Martin Horat ist ein gefragter Mann. Kein Wunder, seit der Muotathaler in zwei witzigen TV-Spots von Schweiz Tourismus (beim ersten sass er in einem Ameisenhaufen) für das Winterferienland Schweiz wirbt. Der von Filmregisseur Xavier Koller gedrehte TV-Spot ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa der Renner.
«Holy cow» übersetzen die Engländer mit «Verreckte Chaib», was das Ganze nicht unsympathischer macht. Das i-Tüpfelchen bei der Geschichte ist aber, dass der Wetterprophet mit seinen Prognosen zum Winter 2011/12 absolut richtig liegt. Wie man denn Wetterprophet werde, fragt ihn Lina Projer. «Mit Köpfchen halt», sagt Martin Horat. Na also.
Mitglied werden im Verein der Wetterschmöcker
Und warum es denn unter den rund 3500 Mitgliedern des Wetterschmöcker-Vereins auch Pfarrherren gebe, will die Köchin weiter wissen. «Die haben erstens einen direkten Draht nach oben, und zweitens nehmen sie uns sechs Wetterpropheten die Beichte ab, wenn wir über das Wetter Seich verzapfen», sagt Martin Horat Augen zwinkernd auf der Fahrt zum Winterpicknickplatz oberhalb von Sattel SZ.

Kaum angekommen, legt er sich mächtig ins Zeug, sägt mit seinem Schwager Hans Nussbaumer (65) einen Holzpfahl zurecht, rammt ihn in den Boden, ritzt auf der Innenseite zwei tiefe Furchen ein, legt Brennholz zurecht, zündet an, sammelt Schnee und füllt damit eine Pfanne mit einem langen Stiel. Den Stiel schiebt er in die untere Furche, die Pfanne schwebt über dem Feuer — nach einer Viertelstunde ist das Wasser heiss, schwupp schüttet Martin Horat Instant-Kaffeepulver rein. «So wird das aber nichts mit unserem Schlangenbrot», gibt Lina Projer zu Bedenken. «Bei einem Winterpicknick ist zuerst der Kafi Schnaps gefragt. Ich nehme ihn mit drei Löffel Zucker. Und Sie?»
Nach einigen Minuten hat Lina Projer den vorpräparierten Teig um die zugeschnittenen grünen Stecken geflochten, derweil Martin Horat sich seine Pfeife stopft und den ersten Witz erzählt. «Äis Tubäckle gehört zu mir», sagt der Wetterprophet, nimmt den Stecken zur Hand und hält das Schlangenbrot über die Glut. Dabei beginnt er aus seinem Leben zu erzählen, unterbrochen von weiteren Witzen.
Handmähwettkampf und Sägetse

Bei den Bauern verkauft Martin Horat vorwiegend Sägetse (Sensen), die es ihm angetan haben. Schon als Jugendlicher hat er mit seinem Vater das Gras mit der Sense gemäht. Irgendwann hatte er die Idee zum Handmähwettkampf, der heute schweizweit gepflegt wird. Eine Schnapsidee? — Keineswegs! Bereits in den Achtzigern, an der ersten Schweizer Meisterschaft nahmen über 80 Aktive teil. Heute sind Europameisterschaften selbstverständlich, der Sport boomt.
Zurück zum Winterpicknick. Hier boomt das Schlangenbrot, das durch die mitverarbeiteten Thymianblätter wundervoll duftet. «Hmm, es süesselt richtig», sagt der Wetterprophet. «Chaibe guet».
Erschienen in MM-Ausgabe 5
30. Januar 2012
Aufgetischt
Was haben Sie auf Vorrat?
Holz, Wasser, Schnaps, Tabak, Käse, Speck, Wurst und Brot.
Wie oft kochen Sie pro Woche?
Nur wenn meine Frau Ella nicht zu Hause ist. Dann bereite ich mir «Stungge-Werni» zu, eine Älplerspeise auf der Basis von Niddle, Anke und Mehl.
Kochen ist für Sie …
… eine Notlösung.
Was würden Sie nie essen?
Wenn es ordentlich zubereitet ist, esse ich alles.
Mit wem würden Sie gern mal essen gehen?
Mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
Aufgetischt
Was haben Sie auf Vorrat?
Holz, Wasser, Schnaps, Tabak, Käse, Speck, Wurst und Brot.
Wie oft kochen Sie pro Woche?
Nur wenn meine Frau Ella nicht zu Hause ist. Dann bereite ich mir «Stungge-Werni» zu, eine Älplerspeise auf der Basis von Niddle, Anke und Mehl.
Kochen ist für Sie …
… eine Notlösung.
Was würden Sie nie essen?
Wenn es ordentlich zubereitet ist, esse ich alles.
Mit wem würden Sie gern mal essen gehen?
Mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
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